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Schloss Wolfenbüttel, fürstliche Bibliothek und Zeughaus um 1714, Computersimulation.

BAROCKES SCHLOSS WOLFENBÜTTEL

Schloss Wolfenbüttel zeigt sich heute als eine barocke, um einen mehreckigen Hof gruppierte Anlage. Die breitgelagerte Schaufront ist dem Schlossplatz zugewandt. Hinter den Barockfassaden aus Fachwerk, die einen massiven Bau vortäuschen, verbirgt sich ein steinerner Gebäudekern aus verschiedenen Bauzeiten.

Von der ehemaligen mittelalterlichen Burganlage haben sich Turm- und Gebäuderudimente erhalten. Spuren des großzügigen Renaissanceschlosses des 16. und frühen 17. Jahrhunderts sind noch heute an der „welschen Haube“ samt Laterne des „Hausmannsturmes“, am ursprünglich zweigeschossigen Arkadenhof und in der zweischiffigen Halle der herzoglichen Hofstube („Renaissancesaal“) abzulesen.

Die Wolfenbütteler Herzöge Rudolf August (1666–1704), Anton Ulrich (1685–1714) und August Wilhelm (1714–1731) schufen in zwei Bauphasen das heutige Erscheinungsbild des Schlosses. Hervorzuheben ist besonders die repräsentative Schlossfassade, die mit ihrer von Figuren und Vasen geschmückten Grabenbrüstung, Brücke und Prunkportal in Deutschland einzigartig ist.

Besondere Bedeutung kommt neben dem barock umgestalteten Schlosshof und dem großzügigen Treppenhaus den ausgezeichnet erhaltenen Prunkräumen der herzoglichen Staatsappartements zu. Nach der Residenzverlegung 1753/1754 wurden Teile des Schlosskomplexes abgebrochen. Dabei gingen der mächtige Zentralbau der in Formen der Frührenaissance errichteten Schlosskapelle, der prachtvolle Festsaal des Schlosses, das barocke Opernhaus und ältere Gebäudeteile auf der Südseite des Schlosskomplexes verloren. Trotz dieser Verluste stellt das zweitgrößte Schloss Niedersachsens das besterhaltene  Welfenschloss der Region Braunschweig dar.

Antichambre des Herzogs

Vom Schlosshof gelangt man durch das zweiläufige Barocktreppenhaus – das älteste noch erhaltene seiner Art in Norddeutschland – zu den herzoglichen Staatsappartements in der ersten Etage. Durch den ehemaligen Trabanten- oder Gardesaal, dem heutigen Eingangsraum des Museums, erreicht man das Staatsappartement des Herzogs. Das anschließende sechsräumige Appartement entstand in der Zeit Herzog Rudolf Augusts (reg. 1666–1704) ab 1690 und diente dessen Bruder und Nachfolger Herzog Anton Ulrich (reg. 1685–1714) ab 1704 als Staatsappartement.

 

Audienzzimmer des Herzogs

Audienzzimmer des Herzogs

Die original erhaltenen, zwischen 1995 und 2014 vorbildlich restaurierten Gemächer (Antichambre, Audienzgemach, Paradeschlafzimmer mit Retirade sowie Konferenzkabinett und Braune Galerie) sind mit reichen Stuckaturen des aus Oberitalien stammenden Giaccomo Perinetti geschmückt. Deckenbilder, Holzarbeiten und behutsam wiederhergestellte Wandbespannungen aus Damast komplettieren die Dekorationen. Die Räume sind mit wertvollen Braunschweiger Barockmöbeln, Gemälden (namentlich Porträts von Mitgliedern der herzoglichen Familie), Wirkteppichen, Plastiken und Ostasiatika ausgestattet. Anhand der lebendig und mit wissenschaftlicher Akribie auf der Basis des ältesten Inventars inszenierten Prunkräume wird Funktion, Nutzung und Anwendung des Hofzeremoniells nachvollziehbar.

Audienzzimmer der Herzogin

Audienzzimmer der Herzogin

Von den ehemals sechs Räume umfassenden Appartements der Herzogin ist das dreiräumige Staatsappartement und ein Raum des Privatappartements erhalten geblieben und zu besichtigen. Die prunkvollen Gemächer sind mit wertvollen original erhaltenen Stuckdecken, Kaminen, Wandverkleidungen, Fußböden und Doppeltüren ausgestattet. Sie stammen größtenteils noch aus dem späten 17. und frühen 18. Jahrhundert. In diesen Räumen wird anhand von Porträtgemälden, Wirkteppichen, Möbeln und Porzellan der fürstlichen Manufaktur Fürstenberg die Geschichte einer ihrer Bewohnerinnen, Herzogin Philippine Charlotte, der Gemahlin Herzog Karls I., dargestellt. Besonders hervorzuheben ist das kürzlich gänzlich wiederhergestellte Audienzzimmer der Herzogin mit seiner Holz imitierenden Scheinmalerei und dem prunkvollen Thronbaldachin aus rotem Samt mit silbernen Tressen. Die Herzogin, Schwester des preußischen Königs Friedrich des Großen, gebar im Wolfenbütteler Schloss neun ihrer 13 Kinder, u. a. 1739 Herzogin Anna Amalia, die Gründerin des Weimarer Musenhofes und 1752 den Freimaurerherzog Leopold. Deren Geburtszimmer, das Privatschlafzimmer der Herzogin, wurde im Jahr 2011 aufwendig mit Unterstützung der Curt Mast Jägermeister Stiftung aufwendig rekonstruiert.

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